Fahrradbekleidung: Einsteiger-Ausrüstung fürs Rennrad

Ja, ich gebe zu: Nicht nur vor der Arbeit oder vor einer Party, auch vor Radtouren stehe ich manchmal länger vor dem Kleiderschrank. Mit den Jahren hat sich bei mir eine beträchtliche Sammlung an Fahrradbekleidung angesammelt – und schließlich sollte das, was man dann beim Rennradfahren anzieht, auch zusammenpassen und an das Wetter angepasst sein.

Speziell für Rennrad-Neulinge, die noch keine so große Auswahl haben, ergeben sich am Anfang oft Fragen zur Bekleidung beim Radfahren – was braucht man wirklich, auf was kann man anfangs verzichten? Ich zeige Euch, welche Bekleidung meiner Meinung nach beim Rennradfahren bereits von Anfang an praktikabel ist. Das bedeutet nicht, dass Ihr ohne diese Klamotten nicht losfahren könnt, schließlich braucht Ihr eigentlich nur ein Rad und etwas Motivation. Aber vielleicht kann ich Euch eine kleine Orientierung geben, welche Investition am Anfang sinnvoll ist. Wie immer freue ich mich auf Eure Ergänzungen und Meinungen in den Kommentaren!

 


Inhalt:


Rennrad-Helm

Lasst uns doch ganz oben beginnen: Da sitzt bei mir immer, ja wirklich immer beim Rennradfahren der Helm*. Es gibt (glücklicherweise) keine Helmpflicht in Deutschland und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob der Helm mitmuss. Da ich mit dem Rennrad auch mal schneller unterwegs bin oder Autos sich unglücklicherweise sogar manchmal in den Weg stellen (noch nix passiert, toi, toi, toi), fühle ich mich einfach sicherer, wenn mein Kopf geschützt ist.

Helm ist dabei nicht gleich Helm: Eine gute Passform ist nicht nur für den Style wichtig, sondern auch für die Sicherheit. Je besser der Helm auf Deinem Kopf sitzt, desto besser kann er Dich im Fall der Fälle schützen.

Um mich im Sommer vor Sonnenbrand auf dem Kopf zu schützen, kommt auch öfter mal eine Cycling Cap unter den Helm (gibt’s bei vielen Radsportveranstaltungen als Werbegeschenk oder auch hier*), im Winter kommt gegen die Kälte eine Mütze unter den Helm*, die bei mir aus Merino-Wolle oder Fleece besteht und – ganz wichtig – über die Ohren reicht.

 

Radbrille

Wie der Helm gehört die Radbrille* streng genommen nicht zur Fahrradbekleidung, aber dennoch sie bei jeder meiner Ausfahrten dabei. Das hat nicht nur Stil- oder Coolnessgründe, viel wichtiger ist der Sicherheitsaspekt. Eine Radbrille schützt Deine Augen nicht nur vor starker Sonneneinstrahlung an schönen Tagen, sondern bietet auch Schutz vor Insekten oder aufspritzenden Steinchen vorbeifahrender Autos oder Deiner Radkollegen. Besonders bei Regen hilft eine Radbrille, den Durchblick zu behalten.

Wichtig ist beim Kauf: Die Brille sollte Dir wirklich gut passen und den Wind von Deinen Augen fernhalten. Sonst kann sich im blödesten Fall Dein Auge wegen des stetigen Fahrtwinds entzünden.

 

Rennradtrikot

Natürlich könnte man beim Radfahren auch ein Baumwollshirt anziehen – das haben die Profis früher sogar gemacht. Glücklicherweise gibt es heute andere Möglichkeiten, sich beim Rennradfahren schick und funktional anzuziehen.

Angefangen habe ich mit Radtrikots* vom Discounter (immer im Frühjahr und im Herbst gibt es da Angebote), inzwischen ist mein Radklamottenschrank gut gefüllt mit Vereins- oder Teamtrikots, die sich im Laufe der Jahre so angesammelt haben. Auch das eine oder andere Profitrikot findet sich in der Sammlung, darunter ein fast unauffälliges *hust* magentafarbenes Trikot, das vielen noch in Erinnerung sein dürfte. Mein Herz in Sachen Profikit gehört jedoch seit jeher Francaises des Jeux mit dem markanten Glücksklee.

Ich denke, aus der Suche nach dem richtigen Radtrikot muss man keine Wissenschaft machen, Hauptsache es passt und Du fühlst Dich darin wohl. Wer viel für das Trikot ausgeben und natürlich auch die entsprechende Qualität dafür bekommen möchte, kann seine Kreditkarte bei Assos oder Rapha glühen lassen, gerade für Anfänger reichen aber auch Trikots vom Discounter oder günstige Trikots aus den diversen Onlineshops.

Was ich in die Trikottaschen packe, habe ich übrigens hier aufgeschrieben.

 

Radhandschuhe

Radhandschuhe* beim Rennradfahren, ja oder nein? Ich entscheide mich oft dagegen, aus dem folgenden ganz praktischen und oberflächlichen Grund: Ich will keine Bräunungsstreifen an den Händen. Mir reichen die Radfahrer-Markierungen an den Armen und Beinen vollkommen aus. 😉

Aber natürlich gibt es Situationen, in denen Radhandschuhe nicht fehlen sollten. Vor allem, wenn Du Anfänger bist und noch mit den Klickpedalen kämpfst oder generell noch nicht so sicher auf dem Rad bist, dann können Dich Radhandschuhe bei Stürzen vor richtig unangenehmen Hautabschürfungen an den Händen schützen. Und offene Wunden an der Handfläche sind wirklich ekelhaft und langwierig. Auch wenn Du Rennen fährst, rate ich Dir eindringlich zu Radhandschuhen. Im Eifer des Gefechts sind Stürze manchmal nicht zu vermeiden, egal wie gut Deine Fahrtechnik ist. Darüber hinaus bieten Radhandschuhe oft besseren Grip auf dem Lenkerband, wenn Du schwitzt.

Radhose

Tja, vielleicht ist im Bereich Fahrradbekleidung nichts so schwierig zu finden wie die richtige Radhose*, außer vielleicht noch der Radschuhe. Das ist natürlich nicht zu verallgemeinern, schließlich hat der eine gar keine Probleme mit egal welcher Hose, der anderen passt nur genau eine Radhose von einer bestimmten Marke. Ich gehöre glücklicherweise zur unkomplizierteren Gruppe und ich komme meist auch mit den günstigsten Radhosen gut zurecht. Für die Langstrecke habe ich allerdings klare Präferenzen: Da muss das Polster möglichst dünn und schmal sein.

Wichtig ist bei der Radhose auch die Passform: Die Radhose sollte richtig gut am Körper anliegen, das verhindert nicht nur aerodynamisch ungünstiges Flattern der Bekleidung, sondern sorgt auch dafür, dass das Polster an der richtigen Stelle bleibt. Ob an der Radhose Träger dran sein müssen, ist Geschmackssache. Ich persönlich mag es am liebsten mit Trägern, dann kann kein Hosenbund unangenehm einschneiden und es gibt keine unschönen „Rettungsringe“ unter dem Trikot. Dafür sind dann Toilettenstops unterwegs ein größerer Act, zumindest für die weiblichen Radrennfahrerinnen.

Gerade für Damen gibt es oft sehr kurze Radhosen, für die kann ich mich allerdings nicht erwärmen. Meine Oberschenkel sind so athletisch 😉 , dass ich mit diesen kurzen Hosen ständig mit dem Bein am Sattel entlangschrappe. Auf die Dauer kann das sehr schmerzhaft werden.

 

Unterwäsche beim Rennradfahren

Das ist eine Frage, die man oft von Rennrad-Anfängern oder Interessierten hört: „Was trägt man eigentlich unter der Radhose?“ Einfache Frage, einfache Antwort: Nichts. Die Polster, die in der Radhose verarbeitet sind, sind genau dafür gemacht, Deinen Intimbereich ideal zu polstern. Alles, was sich dazwischen befindet, stört nur. Ehrlich. Jede Naht und jedes zu locker sitzende Stück Stoff ist eine potenzielle Quelle wunder Stellen.  Je weniger Reibung, desto besser.

Für die rennradfahrenden Mädels stellt sich noch die Frage, was obenrum drunter kommt. Das finde ich persönlich gar nicht so kompliziert, da reicht mir ein normaler Sport-BH, den ich sonst auch zum Laufen oder Wandern verwende. Vor allem Sport-BHs, die relativ hoch abschließen, finde ich persönlich am praktischsten, so kann auch bei der Unterlenker-Fahrt nix passieren und man kann sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren: Nämlich Spaß haben beim Radfahren!

 

Rennradsocken und Radschuhe

Und schon sind wir ganz unten angelangt, nämlich bei der letzten der drei Kontaktstellen von Rennfahrer zu Rennrad. Die Fahrradschuhe und die richtige Positionierung der Cleats tragen einen großen Teil dazu bei, ob Du Dich beim Radfahren wohlfühlst oder nicht. Ich bin lange mit Gaerne-Radschuhen* gefahren, die mir aber immer einen Tick zu schmal waren, das machte sich bei langen Ausfahrten leider sehr bemerkbar. Am wohlsten mit meinen recht breiten Füßen fühle ich mich in Shimano* oder Scott*-Radschuhen. Wenn Du sehr schmale Füße hast, sind italienische Marken wie Sidi* einen Versuch wert.

Wer so richtig Geld ausgeben möchte, kann in Radschuhe mit tollen Features wie  Carbon-Sohle oder Maßanfertigung investieren, gerade am Anfang reicht es aber völlig aus, wenn Deine Fahrradschuhe richtig passen, nicht allzu schwer sind und ausreichend belüftet sind. Wenn Du vorhast, mal bei einem Triathlon zu starten, lohnt sich noch ein Blick auf das Verschlusssystem – für Triathleten gibt es Radschuhe* mit Schlaufen an der Ferse und speziellen Schnellverschlüssen, die den Wechsel zwischen den Sportarten vereinfachen und beschleunigen.

Und was zieht man in die Radschuhe an? Na Fahrradsocken*! Natürlich reichen auch ganz normale Sportsocken. Bessere Qualität und höheren Tragekomfort bieten allerdings Socken aus dünnerem Material, die richtig gut am Fuß anliegen. Jetzt bleibt noch die Stil-Frage: Wie müssen die Socken aussehen? Ein Glück, die „Vorgaben“ sind gelockert. Galten früher noch weiße Fahrradsocken, die etwas über dem Knöchel abschließen, als unabweichlicher Standard, sind jetzt eigentlich alle Farben und Stile „erlaubt“ – solange sie zum Outfit passen. Lance Armstrong bevorzugte schwarze Socken, der österreichische Radprofi Stefan Denifl fährt nur mit Socken, die mindestens die halbe Wade bedecken und für Mutige, wie Frank und Moni vom Radlblog, gibt es richtig farbenfrohe Modelle.

 

Fertig. Oder? Nice to have: Beinlinge und Armlinge

Mit der bisher beschriebenen Ausrüstung fährst Du schon einmal richtig gut. Da steht einer ambitionierten Rennradtour im Sommer nichts mehr entgegen. Wenn Du allerdings auch fahren möchtest, wenn das Wetter mal nicht so sommerlich ausfällt oder wechselhaft ist, verschaffst Du Dir mit Armlingen* und Beinlingen* nochmal ein bisschen mehr Flexibilität. Damit kannst Du auch bei kühleren Temperaturen aufs Rad steigen und kommst bis zu einem gewissen Punkt auch ohne lange Radhose oder Langarmtrikot zurecht.

Natürlich könnte man die Liste endlos erweitern. Knielinge, lange Radhose, Langarmtrikot, Regenjacke, Windweste… das sind jedoch alles Dinge, deren Bedarf mit der Zeit kommt. Für den Anfang zählt es nur, sich aufs Rad zu setzen und Spaß zu haben! Der Rest kommt dann von ganz alleine. Und auch die Ausrüstung wird sich noch schnell genug wie von alleine vermehren, keine Angst. 🙂

Carolyn Ott-Friesl

Nicht viel, nicht schnell - aber mit Leidenschaft. So betreibe ich Radsport seit mehr als zehn Jahren. Mehr über mich...

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6 Antworten

  1. Niko sagt:

    Guter Beitrag!

    Eine Anmerkung noch zu Fahrradhandschuhen: je nach Modell dämpfen sie auch Schläge / Vibrationen ab und entlasten die Hände so etwas. Auf langen Fahrten finde ich das sehr angenehm.

    Ich musste beim Versuch Schuhe fürs Gelände zu Kaufen vor kurzem feststellen, dass ich scheinbar relativ breite Füße habe. Damit kommen Mavic und Sidi nicht für mich in Betracht.
    Fündig wurde ich dann bei Specialized.

  2. stadtfelder sagt:

    Eine Frage hätte ich schon noch: Wieso findest Du, daß es „glücklicherweise“ in Deutschland keine Helmpflicht gibt? In den letzten Jahren habe ich einige Menschen (auch gute Freunde) gesehen, die Unfälle nur überlebten, weil der Kopf geschützt war. Teilweise schwer verletzt, Helm mehrfach gebrochen, aber am Leben. Und das auch im normalem Straßenverkehr mit ganz normalen Fahrrädern. Wenn wir Erwachsenen nicht vernünftig sind, wie wollen wir unseren Nachwuchs schützen? Das Argument „mit Helm sehe ich so bescheuert aus!“ zählt überhaupt nicht, ich sage Euch, was bescheuert aussieht: Wenn man sabbernd und ohne Emotionen den Rest des Lebens im Pflegeheim liegt!
    Mit besten Grüßen!

    • Du hast ja sicherlich gelesen, dass ich keinesfalls gegen Helme bin, sondern auch selbst einen trage. Ich bin aber der Meinung, dass erstens jeder selbst entscheiden können sollte, ob er selbst einen trägt. Zweitens ist eine Helmpflicht meiner Meinung nach nicht die richtige Maßnahme, um Radfahren sicher zu machen. Da müssen vorher noch ganz andere Dinge angegangen werden wie Aufklärung über richtiges Verhalten für Auto- und Radfahrer, Verbesserung der Infrastruktur etc. Mit einer Helmpflicht würde signalisiert, dass Radfahren gefährlich ist. Was das auslöst, ist z. B. in Australien zu sehen: Viel weniger Menschen fahren Rad, Autofahrer sind oft weniger rücksichtsvoll, sei es, weil sie denken, dass Radfahrer ohnehin durch den Helm geschützt sind oder weil sie aufgrund der wenigen Radfahrer einfach keine Erfahrung im Umgang mit Radfahrern haben. ( http://www.adfc.de/helme/seite-2-argumente-gegen-die-helmpflicht )

      Vielleicht hast Du ja auch Lust, auch den im Beitrag verlinkten Artikel zu lesen: http://ciclista.net/2015/06/dankhelm-warum-die-aufklaerung-in-die-falsche-richtung-geht/
      Liebe Grüße!

  3. stadtfelder sagt:

    Okay, habe ich gelesen. Natürlich kenne ich diese Situationen (zum Glück nicht ganz so krass) auch. Sicher sind auch einige gute Ansatzpunkte in Deinem Beitrag enthalten. Als Kompromiss könnte uns vielleicht Schweden helfen: Helmpflicht für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren.
    Besten Dank und beste Grüße!

  1. 25. Mai 2016

    […] Mädchen unter sich. Perfekte Sommeroutfits sind doch kurz/kurz oder? Ciclista und Cycling Sunday führen das Thema weiter […]

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