1. Etappe Zillertal Bike Challenge 2016 – Wir brutzeln uns nach oben

Hohe Berge rundherum,┬á Sponsoren haben ihre St├Ąnde aufgebaut, das Wetter spielt mit: Die Mountainbike-Szene trifft sich im Zillertal zur Bike Challenge. In der Festhalle F├╝gen stehen w├Ąhrend der Pasta-Party am Vorabend der ersten Etappe gro├če Nudelportionen auf allen Biergarnituren, davor sitzen halbe Hemden fitte Menschen in beeindruckenden Finishertrikots mit ausdefinierten Waden, denen man die bereits absolvierten 10.000 Saisonkilometer von weitem ansieht.

Und dann sitze da noch ich. Ich habe weder ein beeindruckendes Finishertrikot noch definierte Waden – von den Kilometern wollen wir gar nicht erst anfangen.

Dass ich mich hin und wieder ziemlich unvorbereitet an der Startlinie von Radsportevents befinde, das zieht sich ja schon ein bisschen durch meine Karriere. Diesmal ist es aber doch etwas Besonderes: Zum ersten Mal ist meine Startnummer nicht an den Lenker meines Rennrads geschnallt, sondern an den (├╝brigens last minute gewechselten) Lenker meines Mountainbikes. Ich bin seit Tagen aufgeregt, schlie├člich bin ich ja ohnehin kein ausgesprochenes Fahrtechnik-Talent.

Der Starterbeute ist bei der Zillertal Bike Challenge gut gef├╝llt!

Der Starterbeute ist bei der Zillertal Bike Challenge gut gef├╝llt!

 

Zwei, drei Wochenenden mit fordernden Touren m├╝ssen als gezielte (h├Âh├Â) Konditionsvorbereitung reichen f├╝r insgesamt 115 Kilometer mit 3500 H├Âhenmetern in den n├Ąchsten drei Tagen auf der Lord/Lady of the Mountain Runde. Gl├╝cklicherweise war ich n├Ąmlich doch so vern├╝nftig, mich f├╝r die „leichteste“ Runde anzumelden. Denn neben der Lord/Lady-Route gibt es noch die schwerere Prince/Princess of the Mountain Strecke und die v├Âllig verr├╝ckte King/Queen of the Mountain Runde mit 9.000 H├Âhenmetern auf 190 Kilometern.

Los gehts!

Die Nacht im Aktivhotel Tuxerhof in Zell am Ziller endet leider f├╝r mich ziemlich fr├╝h. Um 06:30 Uhr rei├čt mich der Wecker aus sanften Tr├Ąumen und ich schl├╝pfe in meine Radklamotten. Genau meine Zeit – nein, nicht wirklich. Ein schnelles Fr├╝hst├╝ck, das Bike gesattelt und p├╝nktlich wie eh und je bringe ich meinen m├╝den K├Ârper erst einmal mit einem ungeplanten Sprint zum Zeller Bahnhof auf Touren. Dort f├Ąhrt n├Ąmlich ein Sonderzug der Zillertal-Bahn ab, die die Teilnehmer der Challenge kostenlos zu den Etappenorten bringt. Das gilt nat├╝rlich nur, wenn man den Zug auch erwischt, was mir mit heldenhaftem Einsatz auch gerade so gelingt.

 

Die Zillertalbahn nimmt alle mit, die p├╝nktlich da sind ;)

Die Zillertalbahn nimmt alle mit, die p├╝nktlich da sind ­čśë

 

W├Ąhrend der Zugfahrt in ein paar Liter Sonnencreme getunkt komme ich dann schlie├člich in F├╝gen an, dem ersten Startort der Zillertal Bike Challenge. Und bereits nach dem Besuch der Labestation am Start wird mir klar: Eventuell sterbe ich gar nicht an den MTB-Anstrengungen der n├Ąchsten Tage, sondern an einer Almdudler-├ťberdosis. Wenigstens ein leckerer Tod.

Start!!

Start!!

 

Um 9 Uhr f├Ąllt der Startschuss mitten rein ins holl├Ąndisch-├Âsterreichische Gemurmel des Feldes, der gro├če Bike-Tross setzt sich in Bewegung. R├╝hrenderweise feuern uns sogar die F├╝gener Schulkinder plus Lehrerin an, was schon f├╝r ein bisschen G├Ąnsehaut-Feeling sorgt, bevor es in den ersten Anstieg geht. Und das geht schnell: Wir haben noch nicht einmal das Ortsausgangsschild passiert, da neigt sich die Stra├če schon kr├Ąftig zu unseren Ungunsten. Das ├Ąndert sich auch auf den n├Ąchsten 8 Kilometern nicht nennenswert. 700 H├Âhenmeter sollen wir gleich zu Beginn ├╝berwinden. Und das vor 10 Uhr!

Sonne, Sonne, Sonne…

Entgegen meiner Erwartungen falle ich nicht sofort einsam an das Ende des Feldes, sondern halte mich ganz gut im hinteren Mittelfeld. Den einen oder anderen kann ich sogar ├╝berholen und nach 300 H├Âhenmetern passiere ich die ersten unfreiwilligen Fahrrad-Schieb-Wanderer. Schnell angehen bringt halt doch nix. Deswegen kurbele ich gem├╝tlich im leichtesten Gang bergan und denke derweil ├╝ber ein Patent f├╝r mobile MTB-Schattenspender nach, w├Ąhrend die Sonne fr├Âhlich herunterbrutzelt.

Die Sonne brutzelt im Anstieg von F├╝gen zur Geolsbahn.

 

Kurz vor dem finalen und fatalen Hitzestau ist endlich die Geolsbahn in Sicht, mit der wir Ladies und Lords uns ein paar H├Âhenmeter sparen k├Ânnen. Das ist n├Ąmlich der Clou an der Challenge: Auch die Teilnehmer der kleineren Runden m├╝ssen nicht auf die h├Âchsten Trails des Zillertals verzichten, sondern d├╝rfen ein wenig abk├╝rzen und daf├╝r mehr bergab fahren.

Der Blick nach dem Ausstieg aus der Geolsbahn - schon schick hier!

Der Blick nach dem Ausstieg aus der Geolsbahn – schon schick hier!

 

Also schiebe ich das Rad in die Gondel und genie├če die Fahrt durch die Wolken nach oben auf ├╝ber 2000 H├Âhenmeter. Schon ganz schick hier, dieser Ausblick! Aber wir sind ja nicht zum Spa├č hier, deshalb rein in die Windweste und den flowigen Schottertrail bergab. Ein paar matschige Passagen lassen mich meine Bremsen ausgiebig beanspruchen, aber es liegen eigentlich keine unmachbaren Stellen auf dem Weg. Und wenn ich das sage, muss das was hei├čen ­čÖé

Flowige Abfahrten zur├╝ck ins Tal...

Flowige Abfahrten zur├╝ck ins Tal…

 

Auf dem Weg zur Verpflegungsstation in Hochf├╝gen treffe ich auf Michele, die Discoqueen aus Liechtenstein. Ihr Handy liefert den Partysound f├╝r die paar H├Âhenmeter zur Verpflegung und wir verquatschen uns ausgiebig.

Yeah, Essen! Und Almdudler!

Yeah, Essen! Und Almdudler!

 

Nach der Verpflegung mit Almdudler (was sonst?) und Riegel geht es noch flowiger weiter: Ein feiner Weg f├╝hrt in Serpentinen bergab – nur unterbrochen von einem gemeinen, steilen Stich in der prallen Sonne, der mal wieder so einige Mitbiker zum Absteigen verf├╝hrt. Ich lande danach direkt bei der n├Ąchsten Verpflegung und rede mir mit Michele den bevorstehenden letzten Anstieg des Tages klein. Bis Erika aus den Niederlanden dazu kommt und meint, der Anstieg w├Ąre NOCH fieser als der F├╝gener Berg. Ach was. Das sieht doch auf dem H├Âhenprofil so niedlich aus und was bitte soll uns jetzt noch aufhalten?

Fast geschafft!

Doch Erika hat recht. Der Stummerberg ist ein echtes Biest. Dass er steil ist, das sei ihm noch verziehen. Aber dass es da so gar keinen Schatten gibt, das nehme ich ihm wirklich ├╝bel. So keuche und schnaufe ich mich nach oben und werde langsam gar. Dabei haben wir Lords und Ladies noch richtig Gl├╝ck: Denn die l├Ąngere Runde f├╝hrt den Berg ganz hoch, wir d├╝rfen gl├╝cklicherweise auf halbem Wege abbiegen. Aber das reicht dicke, um mich kaputtzukriegen. Einige Teilnehmer der l├Ąngeren Strecken schenken sich die letzten paar hundert H├Âhenmeter und biegen mit uns Richtung Ziel ab, die Hitze macht leider auch f├╝r die Prinz/essinnen und K├Ânig/innen keine Ausnahme.

Die rettende Abzweigung Richtung Ziel am Stummer Berg.

Die rettende Abzweigung Richtung Ziel am Stummer Berg.

 

Der Berg t├Ąuscht noch ein paar Male an und l├Ąsst mich einige Meter wieder hinaufstrampeln, bevor es endg├╝ltig ins Tal geht. Aber dann geht die Luzi ab: H├Âgscht motiviert werfe ich mich in die Abfahrt und sause ├╝ber den Zillertaler Radweg zum Ziel in Zell am Ziller.

Nach knapp 5 Stunden, 55,9 Kilometern und 1400 H├Âhenmetern rolle ich gl├╝cklich durchs Ziel – und genehmige mir erst einmal ein paar Almdudler. Die gibt es n├Ąmlich f├╝r die Teilnehmer hier kostenlos, ha! Kostenlos bis auf die Teile ist auch der tolle Mechaniker-Service von Centurion. Ganz unkompliziert werden mir meine kaputtgebremsten Bremsbel├Ąge gewechselt – Danke daf├╝r!

 

1 von 3 also geschafft! Mal sehen, was die Beinchen morgen zum zweiten Teil der Challenge sagen. Das mit diesen Etappen haben wir n├Ąmlich noch nicht trainiert, die Beinchen und ich.

Danke f├╝rs Bel├Ąge wechseln, liebes Centurion-Team!

Danke f├╝rs Bel├Ąge wechseln, liebes Centurion-Team!

 

Almradler - wohlverdient nach der ersten Etappe!

Almradler – wohlverdient nach der ersten Etappe!

 


 

Weiterlesen…

2. Etappe: Von Singletrails und anderen Abenteuern

3. Etappe: Grande Finale am Tuxer Fernerhaus


 

Hinweis: Meine Teilnahme an der Zillertal Bike Challenge und die Unterkunft im Aktivhotel Tuxerhof erfolgt auf Einladung und Kosten der Zillertal Tourismus GmBH.


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Carolyn Ott-Friesl

Nicht viel, nicht schnell - aber mit Leidenschaft. So betreibe ich Radsport seit mehr als zehn Jahren. Mehr ├╝ber mich...

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