Motordoping: Wie effektiv sind die Tests der UCI?

(Der TV-Beitrag von Stade 2 ist auf Französisch, englische Untertitel können im Youtube Video eingeblendet werden)

Motordoping bei Profi-Radrennen? Ach was, wie soll das denn gehen. Das würde man doch mitbekommen, wäre doch auch laut. Wo sollte denn der Akku hin? Außerdem kontrolliert die UCI doch akribisch vor den Rennen mit diesen schicken Tablets, mit denen am Fahrrad entlang gegangen wird. Oder?

Die Bilanz spricht auf den ersten Blick für diese Theorie: Bislang wurde nur ein einziges Mal ein Motor in einem Fahrrad während eines Radrennens entdeckt. Dem Fall von Femke van den Driessche, einer U23-Cyclocross-Fahrerin, hing etwas sehr Bauernopferhaftes an. Wenn diese Methode zu betrügen bereits hier in dieser Nische angekommen ist, in einem Segment des Sports, in dem vergleichsweise extrem wenig Geld unterwegs ist, wie soll man dann davon ausgehen, dass Motordoping nicht schon im High-End-Bereich bei den Profis angekommen ist?

Zweifel an der UCI-Methode, Motordoping zu entdecken

Ein TV-Beitrag des französischen Senders Stade 2 wirft in dieser Hinsicht unbequeme Fragen auf. Können die Tablets der UCI tatsächlich die neueste Generation von Motoren erkennen, die in Rennrädern verbaut werden können?

Zusammen mit dem Fraunhofer Institut in Saarbrücken und dem ungarischen Fahrradmotorentwickler Istvan Vargas (der sich damit brüstet, bereits zahlreiche Radprofis mit einem Motor ausgestattet zu haben) wird genau das getestet und die Ergebnisse sind verheerend.

Einerseits ist der UCI-Test laut TV-Beitrag unglaublich ungenau, sogar bei der Art von Motoren, die mit dieser Methode entdeckt werden kann (eigentlich nur die „veraltete“ Version im Sattelrohr).

Die UCI scheint gar nicht daran interessiert, die neusten Motoren zu entdecken

Andererseits gibt es inzwischen Technologien, die mit der UCI-Methode gar nicht entdeckt werden können und die von der UCI auch gar nicht getestet werden bei der Funktionsüberprüfung des Tablets. Beispielsweise ein (sehr starker) Motor im hinteren Laufrad oder elektromagnetisches Laufrad können so nicht entdeckt werden.

Die Wissenschaftler kommen zum Ergebnis: Nur richtig billig gemachte Motoren könnten mit der UCI-Methode entdeckt werden. Allerdings kann man so bei Weitem nicht behaupten, man habe effektiv auf Motordoping getestet.

Die UCI hat übrigens heute, einen Tag nach Ausstrahlung der Sendung, reagiert: Es sei lediglich so, dass im TV-Beitrag kein geschultes Personal die Tests durchgeführt habe – die Tests funktionierten dann nämlich zu 100% (!). Aber man röntgt trotzdem hin und wieder. Und manchmal nimmt man auch Wärmeerkennung. Aber 100%, klar?

 


Was sagt Ihr dazu? Glaubt Ihr, im Peloton wird im großen Stil motorgedopt?

 

Carolyn Ott-Friesl

Nicht viel, nicht schnell - aber mit Leidenschaft. So betreibe ich Radsport seit mehr als zehn Jahren. Mehr über mich...

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2 Antworten

  1. Christian sagt:

    Der Bericht war auch sehr manipulativ, da er nur das zeigte, was die Kritiker sehen wollen. Der dicke Akku wird übersehen, der große Motor an der Narbe wird wegen angeblichen Prototypenbla nicht gezeigt, das Tablett wird nur so an der Felge entlang geführt, dass relevante Teile gar nicht in die Nähe des Sensors kommen… Stellt sich wieder mal die Frage wer hier wirklich manipuliert.

  1. 6. September 2017

    […] Motordoping: Wie effektiv sind die Tests der UCI? […]

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