„Pedal the world“ – (Welt-)Radreise auf Pf├Ąlzisch

Der letzte Beitrag hier auf Ciclista hie├č: „Von einer, die gerne Mountainbikerin w├Ąre“. Jetzt gerade im Moment k├Ânnte ich die ├ťberschrift gleich nochmal so ├Ąhnlich recyceln, mit einer kleinen ├änderung. Jetzt gerade bin ich eine, die gerne Weltreisende w├Ąre. Dass dieses Gef├╝hl gerade ganz akut ist und mich gedanklich schon die Fahrradtaschen packen l├Ąsst, daran ist Felix schuld, den ich gerade im Kinosessel um die Welt begleitete.

 

 

Felix Starck hat eine einj├Ąhrige Reise mit dem Fahrrad gemacht und viele H├Âhen und Tiefen im sympathisch unperfekten Film „Pedal the world“ festgehalten. Der Film spiegelt nach meinem Empfinden die Entwicklung wieder, die die Reise und Felix selbst in dem einen Jahr durchgemacht haben. Am Anfang noch etwas h├Âlzern der pf├Ąlzische Erz├Ąhlton, die Bilder verwackelt und ohne erkennbares Konzept, ein kleines bisschen verloren, sogar unsicher, ob man wirklich den Sprung nach ganz weit weg wagen sollte. Doch sp├Ątestens, als Felix in Asien angekommen ist, ger├Ąt der Film in den Flow – vermutlich so, wie Felix auf diesem Teil seiner Reise. Da wandelt sich der Junge, der anfangs unsicher ist, ob das Abenteuer nicht eine Nummer zu gro├č f├╝r ihn ist, in einen Sunnyboy mit immer wilderen Locken und B├Ąrten, der von Mal zu Mal selbstbewusster von seinen Erlebnissen erz├Ąhlt und gerade erst begreift, was er da eigentlich erlebt.

Insgesamt ist jedoch leider nicht so viel Landschaft oder jeweils Landestypisches zu sehen. Vielmehr steht deutlich Felix und seine Befindlichkeiten im Vordergrund. Das kann man m├Âgen, muss man aber nicht. Mich pers├Ânlich hat es nicht gest├Ârt.

 

Die Route

Von der Pfalz geht es zun├Ąchst Richtung Osten. Nachdem Russland wegen Problemen mit dem Visum ausgelassen werden muss, geht es entlang des Donauradwegs durch Osteuropa – anschlie├čend nach Griechenland, in die T├╝rkei und dann mit dem Flugzeug nach S├╝dostasien. Dort geht es durch einsame Landstriche und riesige Metropolen mit sichtlich spannenden Begegnungen und ungewohnten Wetterkapriolen, festgehalten auf tollen Bildern.

Mit dem Flugzeug geht es weiter nach Neuseeland, das wirklich wundersch├Ân sein muss. Von dort fliegen Felix und sein zum Bersten gef├╝llter Radkarton zun├Ąchst an die West- und sp├Ąter an die Ostk├╝ste der USA und er erkundet dort Anstiege, Abfahrten und den stetigen Gegenwind. Das letzte St├╝ck der Reise f├╝hrt von Oslo zur├╝ck nach Herxheim – man sp├╝rt richtig die Ungeduld, die das langsame Reisen mit sich bringt. Die Lieben zuhause sind so nah und doch noch so viele Kurbelumdrehungen entfernt. Nach genau 365 Tagen, einem Schicksalsschlag und zwei verschlissenen Reisepartnern kommt Felix wieder in der Heimat an.

 

Mein Fazit zu „Pedal the world“

Der Film ist sicherlich keine professionelle Doku – die Bild- und Tonqualit├Ąt ist nicht die beste. (Wobei wir in diesen Content-Marketing-├╝berfluteten Zeiten nat├╝rlich auch ziemlich verw├Âhnt sind mit wundersch├Ânem, hochgradig gesponserten Videomaterial, das authentisches Storytelling sein will, aber am Ende doch nur Marketing ist. Dagegen kann so eine tats├Ąchlich authentische Reise ohne Filmteam und Drehbuch kaum anstinken). Zudem sind mir so einige Gl├╝ckskeks-Spr├╝che im Film ziemlich auf den Keks gegangen. Ganz sicher war die Reise auch keine Rekordjagd, da gibt es sicher viele Radreisende, die mehr Strecke mit dem Rad machen und weniger fliegen, sich aber bei weitem nicht in dem Umfang medial vermarkten. Wie man nach kurzem Googeln herausfinden kann, hat Felix Starck daf├╝r auch viel Kritik einstecken m├╝ssen.┬á Die Kritik ist sicherlich nicht ganz unberechtigt und ich w├╝rde eher keine 20 Euro f├╝r die „Pedal the world“-DVD* ausgeben. Man merkt, dass Felix sich zu verkaufen wei├č und das Filmen und Vermarkten der Reise mit vielen Sponsoren im R├╝cken von Anfang an geplant war.

Was f├╝r mich jedoch z├Ąhlt, ist das Gef├╝hl, mit dem ich aus dem Film gegangen bin – n├Ąmlich jetzt sofort Urlaub beantragen und erstmal raus sein zu wollen. Oder zumindest mit dem Fahrrad eine lange Tagestour zu machen… ohne Strava und auf m├Âglichst unbekannter Route. Ein bisschen Freiheit erleben, ohne zu wissen, was als n├Ąchstes passiert und ohne den n├Ąchsten Termin schon vor Augen zu haben. Ist es nicht genau dieses Gef├╝hl, wegen dem wir uns aufs Rad setzen? Zumindest bei manchen unserer Touren, die nicht im Trainingsplan stehen, sondern die einfach so „passieren“? F├╝r mich gilt das auf jeden Fall und ich wei├č nicht erst seit „Pedal the World“, dass ich irgendwann die Trikottaschen gegen gr├Â├čere Fahrrad-Reisetaschen tauschen werde. Zumindest f├╝r eine Weile.

Carolyn Ott-Friesl

Nicht viel, nicht schnell - aber mit Leidenschaft. So betreibe ich Radsport seit mehr als zehn Jahren. Mehr ├╝ber mich...

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1 Antwort

  1. 29. Juni 2016

    […] Pedal the world. Eine (Welt-)Radreise auf […]

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