Paris-Roubaix: 5 Fakten für Klugscheißer über die Hölle des Nordens
Es ist wieder soweit! Die Hölle des Nordens lädt wieder zum großen Spektakel, bei dem mit dünnen Reifen über dicke Steine gefahren wird: Paris-Roubaix! Wenn am Sonntag die Profis wieder um die beste Position auf den Pavés kämpfen und hoffen, dass sie vom Sturzpech verschont bleiben, fiebern viele Radsportfans an der Strecke oder vor dem TV wieder mit.
Damit Du dafür ordentlich vorbereitet bist und beim nächsten Groupride ganz lässig ein paar schlaue Kommentare dazu droppen kannst, gibts hier ein paar Fakten zum Angeben über den wahrscheinlich spektakulärsten Klassiker der Radsportsaison.
Ein paar wichtige Infos zu Paris-Roubaix 2026:
- Neuer Name: Paris-Roubaix (Femmes) Hautes-de-France
- Datum: 12.4.2026
- Männerrennen: 258 km, 54,8 km Pavé, Zielankunft vrsl. ca. 16:40 Uhr
- Frauenrennen: 143 km, 33,7 km Pavé, Zielankunft vrsl. ca. 18:20 Uhr
- Übertragung: ARD ab 14 Uhr, Eurosport ab 10:30 Uhr, Streaming auf DiscoveryPlus
Warum Paris-Roubaix dieses Jahr besonders ist
Bei der diesjährigen Austragung von Paris-Roubaix könnte wirklich Geschichte geschrieben werden. Wenn Tadej Pogacar gewinnt, hätte er alle fünf Radsport-Monumente in seinen Palmarés. Das haben bisher nur Eddy Merckx, Rik van Looy und Roger De Vlaeminck geschafft. Wenn Mathieu van der Poel gewinnt, ist er mit vier Siegen einer der Rekordsieger von Paris-Roubaix neben Roger De Vlaeminck und Tom Boonen und der erste, der vier Ausgaben hintereinander gewinnt.
Werbung
Noch mehr wissen über Radsport?
Mein Buch „Unnützes Wissen über Radsport“ ist da! Mit vielen Fakten und emotionalen, erstaunlichen oder lustigen Anekdoten rund um die Tour de France, die Klassiker und darüber hinaus. ❤ Mehr Infos…
Jetzt bestellen – z. B. bei Amazon* oder im Buchladen Deines Vertrauens!
1. Der erste Sieger von Paris-Roubaix war ein Oberpfälzer
Seit 1896 gibt es Menschen, die finden, es sei eine richtig gute Idee, sich mit dem Rad über Pflastersteine zu quälen, die wild verlegt und so groß sind wie Babyköpfe sind. In diesem Jahr fand die erste Ausgabe von Paris-Roubaix statt. In den ersten Jahren wurde das Rennen noch mit Schrittmachern gefahren.
Nach 280 Kilometern erreichte 1896 der Deutsche Josef Fischer als erster das Ziel mit einem Schnitt von mehr als 30 km/h über das brutale Pflaster. Schlechte Wege kannte er vermutlich aus seiner Heimat, dem bayerischen Wald. (Ich darf das, ich stamme auch daher 😉 ) Ganze 119 Jahre dauerte es, bis mit John Degenkolb 2015 wieder ein Deutscher ganz oben auf dem Treppchen bei Paris-Roubaix stand.
2. Der „Secteur Pavé John Degenkolb“
2026 sind es im Männerrennen insgesamt 30 Pflasterabschnitte, die die Fahrer überwinden müssen, bei den Frauen sind es 19. In beiden Rennen ist der längste Pavé-Sektor der mit der Nummer 17 in der Nähe des Örtchens Hornaing. 3,7 Kilometer lang ist der Abschnitt und seine Schwierigkeit wird mit immerhin vier von fünf Sternen bewertet. Dieser Sektor hieß bis 2020 noch „Secteur pavé d’Hornaing à Wandignies-Hamage“.
John Degenkolb gewann Paris-Roubaix 2015 und erwarb sich auch außerhalb des Klassikers Meriten: Nachdem 2019 das Juniorenrennen von Paris-Roubaix aus finanziellen Gründen auf der Kippe stand, setzte er sich für den Erhalt ein – und war erfolgreich. Auch dank seinem Sieg bei der Kopfsteinpflasteretappe der Tour de France 2018 ist sein Name wirklich untrennbar mit diesem Rennen verbunden. So sehr, dass dieser längste Pflasterabschnitt heute „Secteur Pavé John Degenkolb“ heißt.
3. Die Freunde von Paris-Roubaix und ihre tierischen Helfer
In den 1960er Jahren stand der unvergleichliche Charakter von Paris-Roubaix beinahe vor dem Aus. Immer mehr Wege wurden asphaltiert, die Kopfsteinpflasterwege verschwanden langsam von der Bildfläche. Um die für das Rennen so wichtigen Sektoren zu erhalten, gründete sich 1977 der Verein „Les amis de Paris-Roubaix“, die Freunde von Paris-Roubaix. Die setzen sich dafür ein, dass die alten Wege erhalten bleiben, Schäden repariert und fehlende Steine ersetzt werden und sogar neue Abschnitte entdeckt und für das Rennen gesichert werden.
Lustiger Sidefact: Der berüchtige Wald von Arenberg (Trouée d’Arenberg) ist für sein besonders grausiges Pflaster bekannt. Außerhalb des Rennens ist der Pfad zur Durchfahrt gesperrt und wächst jedes Jahr wieder zu. Mit Maschinen oder auch per Hand ist der Sektor nicht ausreichend von der überschüssigen Vegetation zu befreien. Daher fressen Ziegen und Schafe seit wenigen Jahren das Grün weg und helfen den Amis de Paris-Roubaix, den Sektor befahrbar zu machen.
4. Eine Mutter siegt bei der Mutter aller Klassiker
Endlich! Erst seit 2021 gibt es ein Frauenrennen bei Paris-Roubaix. Bei dieser ersten Femmes- Ausgabe machte sich Lizzie Deignan bereits 80 Kilometer vor dem Ziel als Solo-Ausreißerin aus dem Staub und kämpfte sich alleine über das Kopfsteinpflaster. Mit blutigen Händen erreichte sie das Velodrom als erste in Roubaix – zwei Jahre, nachdem sie aus ihrer ersten Babypause zurückgekommen war.
5. Zwei Sieger, die nicht gleichzeitig ins Ziel kamen
Eine Ausreißer-Trio war 1949 auf dem Weg, den Sieg bei Paris-Roubaix unter sich auszumachen. Doch kurz bevor das Trio auf die Radrennbahn in Roubaix einfahren konnte, schickte ein Polizist die drei Fahrer auf den falschen Weg. Der schnellste Weg zurück auf die Strecke ins Velodrom führte durch ein kleines Seitentor – allerdings gegenüber der eigentlichen Einfahrt. Die drei Ausreißer machten den Sieg unter sich aus, und der Franzose André Mahé sicherte sich den ersten Platz.
Der Bruder von Fausto, Serse Coppi, gewann den Sprint des Hauptfelds und legte sofort Protest ein, nachdem er von Mahés Umwegen gehört hatte. Nach vielen Monaten hin und her stand im November, nur vier Monate vor der nächsten Ausgabe nun endlich fest, wer gewonnen hatte: Beide! Damit ist es die einzige Ausgabe von Paris-Roubaix mit zwei offiziellen Siegern.
Und jetzt: viel Spaß beim Gucken von Paris-Roubaix! Und wenn Ihr gerne Anekdoten rund um Radsport lest, dann schaut Euch gerne mal mein Buch an, das am 26. April 2026 erscheint: „Unnützes Wissen über Radsport„*
Folge Ciclista.net!
Bleib auf dem Laufenden und abonniere den Ciclista.net Newsletter – per Messenger:
…oder per E-Mail maximal einmal pro Woche in Deinem Postfach.
Mehr Infos…
Carolyn Ott-Friesl
Seit fast 20 Jahren auf dem Rennrad unterwegs - nicht viel, nicht schnell, aber mit Leidenschaft. Trainerin, Selberfahrerin, Radsportbuch-Autorin. Seit 2014 Bloggerin auf Ciclista.net
Mehr über mich .:. Mein Buch "Unnützes Wissen über Radsport" .:. Ausrüstung & Partnerlinks



