Mit Klickpedalen beginnen? 3 Dinge, die Du als Anfänger wissen solltest

Du bist gerade dabei, Dich mit dem Thema Klickpedale zu beschäftigen? Cool, dann bist Du hier genau richtig! Vor allem auf dem Rennrad und dem Gravelbike ist es quasi obligatorisch, mit Klickpedalen zu fahren. Aber warum? Weil man das halt so macht? Nein, das hat wirklich gute Gründe – aber das sind meist nicht die, die man so auf Social Media zugeworfen bekommt.

Klickpedale Start - Pedalsystem Auslösehärte Tipps

Es gibt immer noch den Mythos vom runden Tritt, der angeblich mit Klickpedalen möglich sein soll. Das bedeutet, dass Du gleichzeitig trittst und ziehst, so in allen Phasen der Kurbeldrehung mehr Kraft aufs Pedal bringst und schneller wirst. Die Realität? An den runden Tritt kann man sich maximal annähern, aber auch das bringt Dir keine wirklichen Vorteile – außer, Du bist nur im kurzzeitigen Vollsprint unterwegs. Sonst ist die Belastung größer als der Nutzen.


Wofür Dir Klickpedale WIRKLICH etwas bringen:

  • Bessere Kraftübertragung: Das hat vor allem mit der steifen Sohle der Radschuhe zu tun. Damit geht weniger von der Energie verloren, die Du reinsteckst.
  • Sicherheit: Wer schon einmal in voller Fahrt vom Pedal gerutscht ist, wird sich lange dran erinnern (ich tu das jedenfalls 😉 ) – gerade bei Regen oder matschigen Bedingungen ist die Gefahr einfach größer, dass man den Halt vom Pedal verliert. Und davor schützen Klickpedale.
  • Bewährte Position: Wenn Du eine gute Fußposition gefunden hast auf den Pedalen, macht es durchaus Sinn, die auch immer wieder einzunehmen. Wenn es blöd läuft, kann es sogar zu Knie- oder Rückenproblemen kommen, wenn die Position nicht passt. Deswegen sorgen Klickpedale auch dafür, dass Du immer die gleiche, idealerweise gute Position einnehmen kannst.

Du siehst also, es gibt gute Gründe für Klickpedale beim Rennradfahren oder auf dem Gravelbike. Ich persönlich würde Dir aus diesen Gründen auch immer dazu raten, mit Klickpedalen zu fahren.


Du traust Dich noch nicht an Klickpedale ran?

Aber bitte nimm das alles nicht zu ernst. Wenn Du mit Klickpedalen nicht zurechtkommst, Dich einfach noch nicht traust oder vielleicht nicht einmal aufs Rad steigst, weil Du so Angst vor dem Umkippen hast, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder fährst Du einfach mit „Bärentatzen“. Meiner Meinung nach ist es besser, Du fährst ohne Klickpedale als dass Du Dich gar nicht aufs Rad traust. (Und was Hans-Kevin auf Social Media oder vom örtlichen Verein darüber denkt, ist ja eh maximal wurscht.)

Oder Du bist schon etwas mutiger und willst es zumindest mal probieren, aber auch die Freiheit haben, mit normalen Schuhen zu fahren? Es gibt Kombipedale, mit denen Du auf der einen Seite ohne Klick und auf der anderen Seite mit Klick (SPD-System) fahren kannst!


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3 Tipps für Klickpedal-Einsteiger

Wenn Du Dich aber jetzt mit dem Thema Klickpedale beschäftigen möchtest oder gerade damit anfängst dann habe ich noch ein paar Tipps, bevor Du den nächsten Radladen leer kaufst. Denn auch bei diesem Thema macht es Sinn, vor dem Kauf zumindest ungefähr zu wissen, was man möchte.

1. Das richtige Pedalsystem

Leider habe ich schon öfter mitbekommen, dass Leute Pedale und Schuhe bestellt haben, die nicht zusammenpassen. Deswegen ist es praktisch, wenn Du den Unterschied zwischen den Systemen kennst.

Ganz grundlegend unterscheidet man zwischen zwei Arten von Klickpedalen.

Pedalsysteme fürs Rennrad

  • meist breitere Auflagefläche für mehr Kraftübertragung
  • Recht starre Bindung
  • Meist nur eine Seite am Pedal zum Einklicken möglich
  • Nicht zum Gehen längerer Strecken geeignet
  • Meist aus Plastik und damit signifikanter Verschleiß
  • Schuhe mit Dreifach-Aufnahme benötigt
  • z. B. Shimano SPD-SL, Look Keo, Wahoo Speedplay, Time Iclic, Ekoi PW8

Pedalsysteme für MTB, Gravel, Trekking

  • meist kleinere Auflagefläche
  • oft mehr „Spiel“ bei der Bindung
  • Meist zweiseitige Möglichkeit am Pedal, einzuklicken (bei Crankbrothers sogar vierseitig)
  • Dank kleiner Metallcleats auch zum Gehen geeignet und weniger verschleißanfällig
  • Schuhe mit Zweifach-Aufnahme benötigt
  • z. B. Shimano SPD, Crankbrothers Eggbeater, Time Atac

Was für Dich persönlich passt, kommt ganz auf Deine Anforderungen an. Auch auf dem Rennrad darf man natürlich die Off-Road-Systeme montieren – andersrum macht es meistens weniger Sinn. Falls Du auch mal planst, mit Deinen Radschuhen ein paar Meter zu laufen oder Dich einfach sicherer fühlst, wenn Du an beiden Seiten des Pedals einklicken kannst, kann auch auf dem Rennrad ein Offroad-System die bessere Wahl sein.

Protipp zum Abschrauben der Pedale: Deine beiden Pedale haben ein unterschiedliches Gewinde. Das bedeutet: Du musst in unterschiedliche Richtungen drehen, um sie zu lösen. Ganz einfach kannst Du Dir es so merken: Wenn Du trittst, ziehst Du die Pedale „fester“, die Pedalgewinde gehen entgegen der Tretrichtung auf.

Der Unterschied zwischen Shimano SPD und Shimano SPD-SL

Die am meisten verbreiteten Systeme kommen von Shimano und hören sich zwar sehr ähnlich an, sind aber grundlegend unterschiedlich. Und das größte Problem: sie sind untereinander nicht kompatibel.

Wenn Du also SPD-SL-Pedale und -Cleats hast, aber Schuhe für das SPD-System, dann passt das leider nicht zusammen und Du kannst damit nicht radfahren. Achte also unbedingt darauf, dass Du für das jeweilige System die richtigen Pedale, Cleats und Schuhe kaufst. Hier gibt’s einen kleinen Überblick über die grundlegenden Unterschiede zwischen SPD und SPD-SL.

Eigenschaft/KlicksystemSPDSPD SL
Material Cleats MetallKunststoff
EinsatzbereichGravel / MTB / TrekkingRennrad / Triathlon
Zum Gehen geeignetjanein
Vorteilrobust, langlebigbessere Kraftübertragung
Nachteilschlechtere Kraftübertragungrelativ hoher Verschleiß
SchuheZwei-Loch-SohleDrei-Loch-Sohle

Rennrad-Pedalsystem

MTB- / Gravel-Pedalsystem


2. Die passende Auslösehärte einstellen

Ausklicken funktioniert bei den meisten Klickpedal-Systemen sehr ähnlich. Meist musst Du die Ferse nach außen drehen, damit die Bindung sich löst. Das ist eigentlich keine große Challenge, Anfänger kämpfen aber oft mit zwei Themen:

Das eine ist, früh genug ans Ausklicken zu denken. Das kann man nur mit Routine und bewusstem Üben lösen. (und nach 5 Ausfahrten machst Du das eh automatisch)

Das andere ist die Auslösehärte. Wenn man Klickpedale nicht gewohnt ist, kann es echt ein Kraftakt sein, die Ferse weit genug zu drehen, um aus dem Pedal zu kommen. Und wenn man das nicht schnell genug hinbekommt, liegt man leider auch fix mal auf der Nase.

Standardmäßig (warum eigentlich?) ist die Auslösehärte eher auf „hart“ als auf „weich“ eingestellt. Meist gibt es an den Pedalen hinten eine Schraube, mit der die Auslösehärte eingestellt werden kann. Mach das unbedingt, bevor Du losfährst, damit Du deswegen keine doofen Überraschungen erlebst.

Wenn Du das Gefühl hast, Du brauchst mehr Halt oder Du trittst einfach zu viel Watt und fliegst daher dauernd aus dem Pedal, dann kannst Du die Auslösehärte immer noch mal anpassen. Aber die Panik, wenn man nicht aus dem Pedal kommt, ist wirklich nicht cool. Stell‘ die Auslösehärte daher erst mal immer so leicht wie möglich ein.


3. Die richtige Positionierung der Cleats

Die Cleats auf den Schuhen zu positionieren, ist meistens recht unproblematisch. Wie so oft wird das erst ein Problem, wenn man z. B. Schmerzen hat deswegen.

Prinzipiell: Achte drauf, dass die Cleats möglichst an Deinem Fußballen sitzen und so parallel wie möglich montiert sind. Deine Füße sollten nicht zu sehr nach außen oder innen gedreht sein.

Klickpedale - Cleat Tool

Noch besser: Investiere nochmal ein paar Euro für ein Cleat-Tool: Es gibt von Ergon (und anderen Herstellern) eine Art Schablone, mit der Du die Cleats sauber einstellen kannst. Damit siehst Du auch, ob die Cleats bei beiden Schuhen parallel eingestellt sind und hast praktische Anhaltspunkte und Linien, wenn Du etwas veränderst oder neue Schuhe hast.

Pro-Tipp: Zieh die Schrauben Deiner Cleats richtig gut an und zieh sie nach der ersten Ausfahrt vielleicht sogar nochmal nach. Denn wenn die Schrauben locker sind, gehen sie erstens recht einfach verloren (still thinking of you, kleine Schraube auf Mallorca!) und zweitens wird auch das Ausklicken richtig schwierig, wenn die Pedalplatten lose sind.


Mit Klickpedalen starten? Do it!

Das hört sich jetzt alles komplex an – und hey, das ist es auch ein bisschen. Aber ganz grundlegend ist erst einmal das Wichtigste, dass Du Dich traust, dass Du das passende (nicht: teuerste) Material hast und dass Du Dir nicht zu viel Stress deswegen machst. Wenn Du ein paar Mal mit Klickpedalen gefahren bist, wirst Du kaum eine Sekunde an Gedanken mehr daran verschwenden und kannst dann von den Vorteilen profitieren.

Falls Dich noch die Angst vor dem Umkippen umtreibt: Ja, das wird wahrscheinlich passieren. Möglicherweise wird es peinlich und vielleicht tut es auch ein klitzekleines bisschen weh. Aber in 99 % der Fälle passiert nix weiter und Du hast einfach eine gute Geschichte damit gewonnen.

Pro-Tipp: Versuch Dir anzugewöhnen, immer auf der straßenabgewandten Seite auszuklicken. Wenn es wirklich mal schiefgeht, kippst Du so eher aus der Straße raus als in die Straße rein.

Mit Üben im Stehen oder auf leeren Parkplätzen kannst Du Dir schon mal eine gute Routine verschaffen. Klicke vor Kreuzungen oder vor unübersichtlichen Situationen bewusst früh aus, damit Du im Zweifel darauf vorbereitet bist, gleich einen Fuß auf den Boden zu setzen. Und damit das Multitasking nicht zu viel wird, wenn Dein Rad auch noch recht neu ist: am besten schon vor dem Bremsvorgang ans Ausklicken denken. 🙂

Hier hab ich übrigens schon einmal einen weitergehenden Guide zum Thema Klickpedale am Rennrad geschrieben: Klickpedale am Rennrad: Tipps, Erklärungen und ein bisschen Mut für Dich

Aber jetzt: Viel Erfolg mit Deinen Klickpedalen!

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Carolyn Ott-Friesl

Seit fast 20 Jahren auf dem Rennrad unterwegs - nicht viel, nicht schnell, aber mit Leidenschaft. Trainerin, Selberfahrerin, Radsportbuch-Autorin. Seit 2014 Bloggerin auf Ciclista.net
Mehr über mich .:. Mein Buch "Unnützes Wissen über Radsport" .:. Ausrüstung & Partnerlinks

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