Die Velo-Links am Montag (48)

Was zu lesen, was zu sehen, was zu hören? Hier gibt’s jeden Montag eine Linksammlung zum Thema Radsport.

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Kann man sich einen Platz in einem Profiteam einfach erkaufen? (radsport-news.com) In Italien ist oder war das offenbar möglich, berichtet die Zeitung “Corriere della Sera”. Es sei sogar ĂŒblich, dass sich italienische Radfahrer mit 25.000 bis 50.000 Euro in unterklassige Profiteams einkaufen, die als Sprungbrett zu den World Tour Teams dienen könnten. Manager der betreffenden Teams streiten natĂŒrlich alles ab, doch scheint es handfeste Hinweise auf einen Korruptionsskandal im italienischen Radsport zu geben. (cyclingnews.com)

 

An diesem Skandal zeigt sich, dass es ein großer Traum vieler Amateure ist, Radprofi in Europa zu sein. Sogar viel Geld bezahlen Radsportler dafĂŒr, ein scheinbar privilegiertes Leben zu fĂŒhren. FĂŒr den Australier Campbell Flakemore war die ErfĂŒllung des Traums ganz nah, er galt sogar als Tour-Hoffnung und hĂ€tte den Profivertrag mit BMC in der Tasche gehabt. Er fĂŒhlt sich jedoch desillusioniert, fĂŒhrte nach eigenen Angaben eine “einsame Existenz” in Europa und beschloss daher, den Radsport aufzugeben. (cyclingtips.com.au)


 

Ohne die Ex-Doper ist der MĂ€nner-Radsport nicht durchfĂŒhrbar, ist UCI-PrĂ€sident Brian Cookson ĂŒberzeugt. (velonews.competitor.com) Nur wenige Sportdirektoren oder Mitglieder der Team-Managements wĂŒrden eine vollstĂ€ndige LĂ€uterung des Profiradsports ĂŒberstehen. Das kann natĂŒrlich sein, meiner Meinung nach könnte ein Neuanfang jedoch auch eine große Chance sein – auch wenn dieser Neuanfang auf einem anderen Niveau stattfindet. Dazu kommt jedochlaut Cookson die Problematik, wie man definiert, wer tatsĂ€chlich “sauber” ist. Das könnte natĂŒrlich tatsĂ€chlich schwierig sein, da eine wasserdichte, rechtssichere Lösung zu finden.

Dass die UCI nicht immer so genau weiß, wem zu trauen ist, hat sich auch beim Fall Astana in den letzten Jahren gezeigt. Mit der Erteilung der World Tour Lizenz fĂŒr die Saison 2016 muss sich Astana kĂŒnftig nicht mehr vom Sportwissenschaftlichen Institut der UniversitĂ€t Lausanne (ISSUL) beobachten lassen und muss zudem keine Sanktionen befĂŒrchten wegen der vergangenen DopingfĂ€lle. (radsport-news.com)


 

Beim Thema E-Bike denken viele zunĂ€chst an ein Rentner-Transportmittel. Allerdings mĂŒssen wohl einige Radsportler dieses Vorurteil ĂŒberdenken, denn die elektrifizierten ZweirĂ€der werden immer sportlicher und leistungsfĂ€higer und beanspruchen ihren Platz auf den Straßen und Trails. So gibt es bereits robuste E-Mountainbikes, die den Lift im Bikepark ersetzen sollen oder RennrĂ€der, deren Fahrer sich mithilfe von Extra-Antrieb den Geschwindigkeits-Rausch verschaffen. Wie viel Spaß so ein E-Bike macht, durfte ich bereits bei einigen Testfahrten herausfinden, z. B. hinauf auf die Kampenwand – und ich bin noch ein StĂŒck vom Rentenalter entfernt. 😉 FĂŒr Rennradler scheint das Thema ein völliges No-Go (cycling.claude.de), bei den Bikern scheint man sich noch nicht so sicher zu sein, was man davon zu halten hat. (mtb-news.de) Ich bin, wie eigentlich immer, ganz undogmatisch der Meinung: Jeder soll tun, was ihm Spaß macht, solange niemand anders dadurch gefĂ€hrdet wird


 

Ganz eindeutig gefĂ€hrdet sind alle Verkehrsteilnehmer, wenn das Handy ablenkt. Ein schlimmer Unfall im Landkreis Böblingen ist eventuell darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass eine junge Frau wĂ€hrend der Fahrt WhatsApp-Nachrichten verschickt hat, statt auf die Straße zu blicken. Denn sie ĂŒbersah zwei Rennradfahrer auf kerzengerader Strecke, fuhr diese von hinten um und beging Fahrerflucht. Nach eigenen Angaben kann sie sich nicht richtig an den Unfallhergang erinnern, das Handy habe sie allerdings nicht in der Hand gehabt. Einer der Radfahrer starb, der andere trug bleibende SchĂ€den davon. (stuttgarter-nachrichten.de)


 

Es gibt Fragen, die sollte man Radfahrern nicht stellen – wir hören sie dennoch stĂ€ndig. Dazu gehört zum Beispiel “Findest Du nicht auch, dass Du in diesen Radklamotten komisch aussiehst?”, “Wie viel hast Du eigentlich fĂŒr ein Rad bezahlt?” oder “Warum fĂ€hrst Du nicht einfach mit dem Auto?” (cyclingweekly.co.uk)


 

Radwege können durchaus politisch sein, wie sich immer wieder zeigt. In den USA gelten Radwege beispielsweise als ultimatives Gentrifikationssymbol. Doch warum eigentlich? HĂ€ngt es damit zusammen, dass gerade Angehörige unterer sozialer Schichten sich angegriffen fĂŒhlen, wenn ihr Recht auf das Fahren des Statussymbols Auto gefĂŒhlt eingeschrĂ€nkt wird? (washingtonpost.com)


 

Die furchtbaren AnschlĂ€ge in Paris, die die Nachrichten seit Freitagabend bestimmen, gehen auch am Radsport nicht vorĂŒber. SelbstverstĂ€ndlich demonstrierten zahlreiche VerbĂ€nde, Organisationen und Sportler ihre UnterstĂŒtzung und ihr MitgefĂŒhl fĂŒr die Terroropfer. (cyclingweekly.co.uk, cyclingmagazine.ca) Paris ist darĂŒber hinaus natĂŒrlich untrennbar verbunden mit dem vielleicht grĂ¶ĂŸten Ereignis im Radsport ĂŒberhaupt, nĂ€mlich dem Finale der Tour de France auf den Champs ÉlysĂ©es. Wie gefĂ€hrlich werden Terroristen den großen Radrennen, bei dem Zuschauer den Sportlern so nahe kommen wie bei kaum einer anderen Sportart? War die Absage des deutschen Klassikers “Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt” nach einer Terrordrohung nur der Anfang? (smh.com.au)


 

Und Eure Links der Woche?