Die Tour de France in Italien? In Italien! Etappeninfos, Touren & Tipps rund um den Grand Départ 2024
Pressereise | Italien – da denkt man an dolce vita, vino, pasta, pizza und natürlich den Giro d’Italia. Aber an die Tour de France? Bisher sicher nicht! Das wird sich aber ändern. Denn 2024 findet der Grand Départ der Tour de France der Männer mit ganzen drei Etappen in Italien statt und ich durfte mir schon einmal einen Teil der Strecke und das Drumherum in der Emilia Romagna ansehen. Aber zunächst mal die hard facts zur Tour 2024 in Italien.
Die Tour de France 2024 in Italien

Etappe 1: Florenz – Rimini, 205 Kilometer
Die erste Etappe führt von Florenz in der Toskana über San Marino nach Rimini und wird sicherlich eine der schwersten Auftaktetappen in der Geschichte der Tour de France. 3800 Höhenmeter sind hier zu überwinden – kein Spaß für Sprinter!

Etappe 2: Cesenatico – Bologna, 200 Kilometer
Von der Heimat des Piraten Marco Pantani fährt das Peloton auf dieser Etappe in die Hauptstadt der Emilia-Romagna. Es geht vorbei an der Autorennstrecke in Imola und entlang der Ausläufer der Appeninnen. Größere Anstiege sind hier nicht zu bezwingen, aber die Hügel werden sicher auch weh tun.

Etappe 3: Piacenza – Turin, 225 Kilometer
Die dritte Etappe führt von der Emilia-Romagna über die Lombardei ins Piemont – eine klassische Sprinteretappe, bevor der Tourtross nach Frankreich weiterzieht.

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Emilia Romagna – Vorbereitungen für den Grand Départ
Wie man sich also vorstellen kann: Radsportitalien ist jetzt schon ganz heiß auf den Grand Départ 2024 und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Und so darf ich jetzt schon zusammen mit zwei weiteren Journalistinnen – Betsy Welch aus den USA und Melinda Kadar aus Ungarn – ein paar Kilometer der ersten Etappe in der Emilia-Romagna unter die Räder nehmen. Und nebenbei das vermutlich beste Essen der Welt in unvernünftigen Mengen mich hineinschaufeln genießen.
Ob unsere Reise in die Emilia Romagna überhaupt stattfinden kann, war bis kurz zuvor gar nicht klar. Denn erst im Mai war die Region von einer heftigen Flut heimgesucht worden. Glücklicherweise war die Gegend, in der wir hauptsächlich unterwegs sein wollen, nicht zu stark betroffen oder schon wieder soweit hergerichtet, dass wir ein paar Touren unternehmen können.
Einige Spuren des Wassers sind noch zu sehen – aber überall wurde spürbar mit Hochdruck daran gearbeitet, alles wieder auf Vordermann zu bringen. Aber so übernachten wir statt im hügeligen Hinterland der Emilia Romagna in Verucchio, einem wirklich hübschen alten Städtchen – ganz in der Nähe von San Marino und gar nicht weit vom Meer entfernt.



Entlang der ersten Tour-Etappe – Verucchio
Der Eingang zu unserem Hotel, das Oste del Castello, liegt ganz unscheinbar in der Altstadt – von außen kaum vorzustellen, dass es ein Restaurant, ein höhlenartiges Spa und zahlreiche Zimmer hier in diesen alten Gemäuern gibt. Und Verucchio „downtown“ hat alles, was man als italophile/r Radfahrer*in so braucht: Einen Trinkwasserbrunnen, Fahrrad-Parkplätze, eine Espressobar und eine Weinstube mit wunderbarem Essen. Ein Träumchen. Und wenn man noch ein Stück den Hügel hinaufgeht, dann kann man sogar das schon das Meer am Horizont sehen. Wie schön!
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Der erste Abend wird direkt gesellig – wir lassen es uns gut gehen bei süffigem Gin Tonic, Pasta und Risotto. Während wir den Mund voll haben mit all den guten Dingen, erzählt uns Guide Andrea schon einmal, was uns erwartet und wie die Tour de France hier nächstes Jahr entlang führen wird.
Unsere Radroute am nächsten Tag führt uns dann entlang eines Teils der ersten Etappe der Tour de France 2024 – nur in umgekehrter Richtung. Aber mit unseren geplanten etwa 2000 Höhenmetern auf 70 Kilometern bekommt man schon eine kleine Ahnung, wie schwer diese erste Etappe 2024 sein wird.

Wir starten nach einer Abfahrt von Verucchio direkt in den ersten Anstieg des Tages, hinauf nach San Marino. Mit bis zu 18 Prozent schon gar nicht so einfach, dank Gravel-Übersetzung am 3T-Rad aber gut machbar. Der Ausblick entschädigt auf jeden Fall für die Strapazen und San Marino selbst ist mit seinen trutzigen Befestigungen und der beeindruckenden Geschichte ohnehin ein Highlight – kleiner Tipp: im Postamt kann man sich sogar einen Stempel in den Reisepass geben lassen.


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Weiter geht es nach San Leo, auch hier geht es wieder längere Zeit bergauf, bis wir das steinerne Stadttor erreichen. Als wir vor einigen Jahren hier waren, konnte man die Schönheit dieses Mittelalter-Städtchens wegen einer Nebelwand nur erahnen. Jetzt bei bestem Wetter ist es einfach nur lässig, sich eine kühle Cola vor dieser tollen Kulisse gönnen zu können.

Kaum zurück auf dem Rad, geht es schon wieder hinein in den nächsten Anstieg. Es geht WIRKLICH nur hoch und runter, puh! Aber es ist wunderschön – am liebsten würde ich direkt an jeder Ecke einen Fotostopp machen.
Wir weichen nun langsam von der Tour-Strecke ab und biegen ein in schmale Straßen mit richtig steilen Rampen. Jetzt tun die Beine langsam weh und der Magen knurrt immer lauter – aber die Strapazen lohnen sich. Denn wir erreichen unsen Verpflegungsstopp: Den Agriturismo Podere Fabbrani.

Ein Agriturismo ist eine Art italienisches „Urlaub auf dem Bauernhof“. Oft sind es Zimmer in Landhäusern oder Höfen und wenn man richtig Glück hat, gerät man an eine Gastgeberin wie Laura. Sie serviert uns hausgemachte Pasta, traumhafte Aufstriche, Käse und das vielleicht beste Tiramisu, das ich JEMALS in meinem Leben gegessen habe. Ohne Mist. SO gut.


Ein guter Wein gehört dazu und alles ist lustig – bis mir langsam einfällt, dass wir ja noch ein gutes Stück nach Hause radeln müssen. Mit vollem Bauch und ganz leicht angeschwipst – das kann ja heiter werden. Aber während wir beim Mittagessen sitzen, zieht der Himmel zu und wir hören ein dunkles Grollen immer näher kommen, das sich dann innerhalb einer halben Stunde zu einem ordentlichen Gewitter auswächst.
Also doch nix mit zurückradeln – wir fahren mit dem Van zurück. Ein bisschen bin ich erleichtert, auf der anderen Seite wäre noch ein bisschen Zeit im Sattel schon auch schön gewesen. Aber zwei Touren haben wir ja noch vor uns, wenn das Wetter es erlaubt.
Meine Empfehlung zwischendurch jedenfalls: Wer im Italienurlaub etwas Besonderes sucht, sollte am besten nach einem tollen Agriturismo Ausschau halten statt nach einem 0815-Hotel. Das kann sich richtig lohnen.
Mit dem Rad von den Hügeln zum Strand
Statt des angesagten Gewitters sieht der Himmel am nächsten Tag doch ganz freundlich aus. Wir wollen heute nach Bellaria Igea Marina – zwischen Rimini und Cesenatico, den Etappenorten der ersten und zweiten Tour-Etappe 2024. Und es ist natürlich schöner, wenn wir dorthin mit dem Rad statt mit dem Auto fahren können. Also schnell frühstücken und rauf aufs Rad, das Wetter müssen wir ausnutzen!

Zeit, Abschied zu nehmen von Verucchio und schon cruisen wir die Abfahrt hinunter und rollen Richtung Meer. Wir machen einen Abstecher hinauf nach Santarcangelo und befahren das Rubikontal.
Im Anstieg hinauf nach Sogliano al Rubicone sehen wir zum ersten Mal so richtig bewusst einige Spuren der Flut im Mai. Hier sehen so einige Böschungen nicht so aus, wie sie aussehen sollten. Die Straße ist aber teilweise schon komplett neu gemacht und viele Radfahrer*innen nutzen das aus – wir kommen aus dem Winken und Nicken kaum heraus.



Ein kurzer Kaffeestopp in Sogliano und nun geht es nur noch bergab. Wir flowen die Abfahrt hinunter, kurbeln über Nebenstraßen und irgendwann kann man schon das Meer riechen. Wir sind fast da.
Noch einmal um die Kurve und da ist er schon. Der Strand von Bellaria Igea Marina – verrückterweise habe ich genau hier vor ungefähr 100 Jahren als Kind Schwimmen gelernt, während einem unserer Bus-Urlaube. Eine meiner präsentesten Kindheitserinnerungen ist, dass ich in Igea Marina so viel Eis essen durfte, wie ich wollte und selbst bestellen konnte. 😉 Danke Mama!
Unser Albergo damals war aber nicht ganz so schick wie das Blu Suite Resort Hotel, in das wir jetzt einchecken dürfen. Nach einer Dusche probieren wir lokale Köstlichkeiten und testen erst einmal den Hotelpool. Könnte schlechter sein alles.
Nachmittags buddeln wir Kanäle und Sandburgen am hoteleigenen Strand, nehmen unseren Aperitivo in der Beach Bar ein und bekommen ein tolles Abendessen im Hotel – das übrigens sehr familienfreundlich ist, vom Essen bis hin zur liebevollen Kinderbetreuung. Einziges Manko: Zu den Eisdielen von Igea Marina ist es ein Stück zu laufen.



Unterwegs auf den Rennrad-Nebenstrecken
Noch einen Tag haben wir nun, um die Region mit dem Rad zu entdecken. Die Strecke der zweiten Tour-Etappe sparen wir uns – zu sehr wurde die Region um Faenza vom Wasser getroffen. Deswegen schauen wir uns lieber noch gemütlich das schöne Städtchen Longiano an – von der alten Burg über dem Ort hat man einen tollen Ausblick, der Aufstieg lohnt sich also!


Die nächsten Kilometer sind dann doch von Flutspuren geprägt. Immer wieder treffen wir auf Arbeiter und große Maschinen, die an den Straßen arbeiten, und einmal sogar auf einen Abschnitt, an dem die Straße einfach weggesackt ist. Wahnsinn, welche Gewalt das Wasser hat und wie schnell hier so viele Straßen wieder hergestellt wurden! Und die Ausblicke auf diesen Nebenstraßen sind einfach wunderschön.


Zuletzt machen wir einen Kaffeestop bei Silvia im Hotel Lungomare in Cesenatico. Ein echtes Paradies für Rennradfahrer*innen und ihre Familien – mit mehreren Radgruppen jeden Tag, auf Sportler*innen abgestimmte Ernährung und Essenszeiten, einem Spa, hochwertigen Leihrädern und Rahmenprogramm für die mitgereisten Familien. Einer der Lungomare-Guides – der Ex-Profi Manuel Senni – konnte sich sogar kurz nach unserer Reise zum Sieger beim Ötztaler Radmarathon küren. Hier fährt man also mit ein bisschen Glück sogar mit einem Promi rum.
Der krönende Abschluss ist ein Abendspaziergang in Rimini. Wer die Stadt nur als Strandstreifen mit Hotels und Souvenirshops kennt, sollte sich unbedingt Zeit nehmen, Rimini zu erkunden.
Vor allem im Abendlicht macht der Ort richtig was her: geschichtsträchtige Gebäude, tolles Eis, coole Bars und regionale Restaurants lohnen sich sehr für einen Ausflug.
Der perfekte Abschluss für die vergangenen drei Tage. Ich könnte ja durchaus noch länger bleiben, zum Radfahren, für’s Essen, die Ausblicke, die Vielfalt der Landschaft und die italienische Leichtigkeit. Hach.


Emilia Romagna – mehr als nur Strandurlaub
Wer die Emilia Romagna auch für einen Rennradurlaub bereisen möchte, für den lohnt sich ja vielleicht sogar ein Besuch bei der Tour de France 2024. Aber auch für ein Frühjahrstrainingslager oder einfach einen Genussurlaub mit schönen Touren bietet sich die Region immer an. Mit diversen Gran Fondos, zahlreichen Pantani-Stationen (z. B. das Museum „Spazio Pantani“ in Cesenatico oder der Monte Carpegna) und der abwechslungsreichen Landschaft gibt es für Radfahrer*innen auf jeden Fall viel zu erleben. Für Gravelbiker*innen bietet sich auch die Via Romagna an, ein Radweg mit 460 Kilometern über Schotter- und Nebenstrecken. Wobei es sich natürlich auch einfach lohnt, für das gute Essen zu kommen. 😛

Ja, die Straßen waren in der Region auch schon vor der Flut nicht unbedingt die besten. Aber spätestens bis nächstes Jahr im Sommer wird das alles nochmal einen großen Schritt Richtung Rennradparadies machen – denn bis die große Tour de France zu Besuch kommt, wird es die Löcher in den Straßen auf der Rennstrecke sicherlich nicht mehr geben und auch die Flutspuren werden bis dahin komplett verschwunden sein.
Was es aber geben wird: Radsportgeschichte, die auf den Straßen Italiens geschrieben wird, von den Fahrern und den Tifosi. Die Tour de France in Italien – das wird ganz sicher verrückt und aufregend und wunderbar. Ich freu mich drauf!

Transparenzhinweis: Alle Kosten der Reise wurden von Terrabici übernommen.
Carolyn Ott-Friesl
Seit fast 20 Jahren auf dem Rennrad unterwegs - nicht viel, nicht schnell, aber mit Leidenschaft. Trainerin, Selberfahrerin, Radsportbuch-Autorin. Seit 2014 Bloggerin auf Ciclista.net
Mehr über mich .:. Mein Buch "Unnützes Wissen über Radsport" .:. Ausrüstung & Partnerlinks



