Rennradfahrende Frauen: 5 Herausforderungen, die Männer (meistens) nicht kennen

Fr√ľher gab es mal die √úberzeugung, das sportliche Radfahren sei schlecht f√ľr Frauen. Schlie√ülich sei das ja viel zu anstrengend f√ľr die fragilen Damen, es f√∂rdere Onanie und Unfruchtbarkeit und dann gab es ja angeblich noch die Gefahr des gef√ľrchteten “Fahrradgesichts”, denn der Gegenwind w√ľrde das Gesicht der Damen entstellen.

Nat√ľrlich alles Quatsch! Radfahren ist f√ľr alle eine tolle Sportart, egal f√ľr welches Geschlecht. Es schont die Gelenke, verbessert die Ausdauer und macht halt einfach gl√ľcklich, ODER? Trotzdem gibt es einige Herausforderungen, die so nur radfahrende Frauen erleben. Und nein, das soll keineswegs Gejammer oder Basis f√ľr Ausreden sein. Vielmehr m√∂chte ich damit zeigen, dass Frauen, die Rennrad fahren, besonders heldenhaft sind, weil sie sich Herausforderungen stellen, die M√§nner (meistens) so nicht haben. Au√üerdem entpuppt sich so manche “Schw√§che” vielleicht sogar als St√§rke…

Umso unglaublicher, dass Frauenradsport von vielen immer noch belächelt wird. Aber was solls. Was wir können, sollen uns die Männer erst einmal nachmachen! Denn die folgenden Probleme haben meistens nur wir.
(Lust auf Austausch? Dann ab zur Facebookgruppe Rennrad von Frauen f√ľr Frauen!)


Mehr Radsport gefällig?

Bleib auf dem Laufenden und abonniere den Ciclista.net Newsletter – maximal einmal pro Woche in Deinem Postfach ūüôā
Mehr Infos…

Die Anmeldung kann nur mit der Zustimmung zur Datenschutzerklärung vorgenommen werden!

1. Schwankende Leistungsfähigkeit während des Zyklus

Jeden Monat vollbringt der K√∂rper einer Frau einen echten Kraftakt. In der Erwartung, dass man ja jederzeit Nachwuchs produzieren k√∂nnen sollte, stellt sich der K√∂rper alle ca. 28 Tage darauf ein, jetzt schwanger zu werden, trifft viele Vorkehrungen und sch√ľttet haufenweise Hormone aus.

Dieser Kraftakt hat nat√ľrlich auch Auswirkungen auf die k√∂rperliche Leistungsf√§higkeit. (Warum Zyklus und klassische Trainingslehre oft nicht zusammenpassen, habe ich hier aufgeschrieben.) W√§hrend es bei M√§nnern einfach auf die Tagesform ankommt, kann es bei Frauen sogar auf die Zyklusphase ankommen, wie fit sie an einem bestimmten Tag sind. Nat√ľrlich wirkt sich das von Frau zu Frau unterschiedlich aus, die eine reagiert mehr darauf und die andere weniger. Eine Studie zeigte, dass mehr als 40 % der untersuchten Athletinnen dadurch in ihrer Performance beeintr√§chtigt wurden. Sogar die Profisportlerinnen haben oftmals das Problem, dass der Zyklus bei wichtigen Rennen in die Quere kommt und die Topleistung nicht abgerufen werden kann.

Von solchen Erfahrungen berichtet auch die ehemalige Rennfahrerin Petra Rossner. Sie erinnert sich, dass sie am Tag vor der Blutung immer feste Beine hatte und zu Kr√§mpfen neigte. Einen Tag sp√§ter litt sie dann unter Schmerzen. “Und am zweiten und dritten Tag der Blutung hatte ich richtig gute Beine”.  Auch Profi-Fahrerin Claudia H√§usler hat f√ľr sich festgestellt, dass es am ersten und zweiten Tag der Blutung nicht so gut l√§uft: “Am dritten Tag geht es daf√ľr so richtig gut.”

Tour Magazin

Ohnehin ist es bei den Profis manchmal der Fall, dass die Periode ganz ausbleibt, weil der Körper unter Dauerstress steht durch die hohe Trainings- und Wettkampfbelastung. Das sollte aber höchstens ausnahmsweise passieren Рdenn eine ausbleibende Regel weist auf einen gravierenden Mangel hin und sollte daher ärztlich abgeklärt werden.

Wenn es also mal nicht ganz rund l√§uft, dann nicht gleich verzweifeln. Vielleicht liegt es auch einfach an der Zyklusphase, dass die Beine nicht so wollen, wie man will. Und bei dem Thema haben wir noch gar nicht von den logistischen Problemen auf langen Fahrten w√§hrend der Periode gesprochen…


ūüöī‚Äć‚ôÄÔłŹ ‚̧ԳŹ Noch mehr Radsport von und f√ľr Frauen? Hier lang!


2. Alles pink! Und mit Bl√ľmchen! AAAAH!

Gl√ľcklicherweise geh√∂ren die Zeiten zum gro√üen Teil der Vergangenheit an, in denen es unglaublich wenig Auswahl f√ľr Frauen gab im Radsportbereich, egal ob bei R√§dern oder Bekleidung. (Super hilfreich zum Beispiel: Damenradhosen mit L√∂sungen f√ľr die Pinkelpause) Was mich aber immer noch oft √§rgert: W√§hrend es f√ľr M√§nner vielf√§ltige Designs gibt, m√ľssen uns manche Hersteller die Bl√ľmchen, Schn√∂rkel und pinken Ornamente aufs Trikot klatschen – sonst k√∂nnte man ja denken, das sei nicht f√ľr Frauen.

Manchmal hei√üt “F√ľr Frauen” auch einfach: bisschen kleiner, mehr Pink. Fertig.  Kann man schon so machen, ist halt dann kacke. Auf die Bed√ľrfnisse von Frauen wird damit nicht eingegangen. Produkte werden oft an Frauen vorbei entwickelt – in der Fahrradbranche sitzen eben oft M√§nner am Hebel, wie Anna Wei√ü im Podcast “Antritt” erw√§hnt hat. Also los geht’s, Ihr Frauen da drau√üen: Ab in die Bike-Industrie mit Euch, damit Ihr uns mit besseren und vielf√§ltigeren Produkten versorgen k√∂nnt! Ich freu’ mich jetzt schon drauf ūüôā

Rennrad Frauen Herausforderungen - Girl Power Socken von Fingerscrossed

3. Hohe Wattzahlen sind f√ľr Frauen schwieriger zu erreichen

Die k√∂rperlichen Voraussetzungen von M√§nnern und Frauen sind unterschiedlich – ja, ich wei√ü, das kommt √ľberraschend. Aber genau diese Unterschiede sorgen daf√ľr, dass es f√ľr Frauen meistens schwieriger ist, hohe Wattzahlen zu erreichen bzw. ist es aufgrund von mehr K√∂rperfett auch in der Regel schwieriger, einen hohen Watt/kg-Wert zu erreichen.

Denn wenn wir so wenig K√∂rperfett h√§tten wie die M√§nnerprofis, w√ľrde das unsere Knochenstabilit√§t und unsere Fruchtbarkeit bedrohen. Kohlenhydrate werden au√üerdem von M√§nnern meist besser verwertet. Dar√ľber hinaus haben Frauen signifikant weniger H√§moglobin im K√∂rper und damit weniger M√∂glichkeiten, Sauerstoff √ľber das Blut zu transportieren.

Aber jetzt kommt die dramatische Wendung: Wir Frauen k√∂nnen n√§mlich daf√ľr oft l√§nger als die M√§nner. Also treten. Denn unsere Voraussetzungen f√ľr Ausdauerleistungen sind oft besser als bei den M√§nnern, denn einerseits sind Frauen oft kleiner und damit aerodynamischer und andererseits haben wir √ľblicherweise mehr K√∂rperfett, was uns f√ľr l√§ngere Zeit Energie liefert, w√§hrend wir gleichzeitig leichter sind und somit weniger Energie brauchen. Ha! Das d√ľrfte √ľbrigens auch Fiona Kolbinger zugute gekommen sein, die das Ultracycling-Rennen “Transcontinental Race” √ľber 4000 Kilometer mit einem Vorsprung von mehr als 200 Kilometern vor dem erstplatzierten Mann gewonnen hat.

Wobei es noch viel zu wenige Studien √ľber die Leistungsf√§higkeit von radfahrenden Frauen gibt. Auch in der Forschung gibt es also noch Nachholbedarf, das f√ľhrt uns n√§mlich direkt zu einem weiteren Problem: Die meisten Trainingspl√§ne sind auf die k√∂rperlichen Voraussetzungen von M√§nnern ausgerichtet, obwohl Frauen anders trainieren m√ľssten.

Carolyn Ott-Friesl - Ciclista.net

Noch mehr Ciclista.net?
Folge mir auf Instagram, Twitter, Strava, Telegram oder Facebook!


4. Teure Frauenräder mit billigen Komponenten

Leider ist mir das sch√∂n √∂fter aufgefallen: Zwei R√§der, identische Komponenten, unterschiedliche Farbe, eins davon f√ľr M√§nner, eins davon f√ľr Frauen – da ist dann meistens das Frauenrad nochmal etwas teurer als das M√§nnerrad.

Auch beliebt: gleicher Preis, daf√ľr schlechtere Komponenten am Frauenrad.

F√ľrs gleiche Geld gibt es also oft weniger Rad f√ľr Frauen. Ganz sch√∂n fies. Ich habe mich sch√∂n √∂fter gefragt, was dahinter steckt. Die geringere St√ľckzahl? Der Glaube, dass die Frauen einfach weniger auf die technischen Details schauen? Ich wei√ü es nicht. Aber ich hab’ mich jedenfalls schon oft ge√§rgert, weil es einfach unfair ist.

Deswegen mein Tipp: Besch√§ftigt Euch mit den technischen Details, vergleicht und lasst Euch keinen teuren Schrott andrehen – sondern belohnt Hersteller, die ihre Preise ganz unabh√§ngig vom Geschlecht fair gestalten. Hier hatte ich schon einmal einen Guide zum Rennradkauf geschrieben mit extra Tipps f√ľr Frauen.


5. Männer sind manchmal ein Problem

Nein, keine Angst, jetzt kommt kein Beitrag zum Vertiefen des Grabenkampfs zwischen den Geschlechtern und ich behaupte auch keinesfalls, dass M√§nner nicht √§hnliche Probleme haben. Aber in meiner inzwischen doch langj√§hrigen Erfahrung mit Radfahrern aller Leistungsstufen – die meistens m√§nnlich waren, schon allein aus Mangel an weiblichen Mitfahrerinnen – habe ich des √Ėfteren folgende Erfahrung gemacht (auch mit dem besten Mann der Welt): Mindestens einer (meistens sind es mehrere) ist dabei, der w√§hrend der Gruppenausfahrt speziell der Frau direkt mal zeigen muss, wo der Hammer h√§ngt.

Woran das liegt? Keine Ahnung. Vielleicht am Confidence Gap, nach dem Frauen einfach insgesamt (aus welchen Gr√ľnden auch immer) weniger Selbstbewusstsein haben, sich selbstbewusstere M√§nner zun√§chst mal mehr zutrauen und sich erst einmal behaupten m√ľssen? Weil M√§nner einfach generell kompetitiver sind? Ich wei√ü es nicht.

Jedenfalls tut es als Frau auch mal sehr gut, mit Frauen zu fahren. Was nicht hei√üt, dass Ihr nie mit M√§nnern mitfahren sollt – denn nat√ľrlich sind die meisten M√§nner ziemlich tolle Radpartner und ich habe bei den M√§nner-Gruppenfahrten viel gelernt. Also los, einfach ausprobieren!


Wie sind Eure Erfahrungen? Welche Herausforderungen gibt es noch und mit was haben exklusiv die M√§nner zu k√§mpfen? ūüôā


Mehr Radsport gefällig?

Bleib auf dem Laufenden und abonniere den Ciclista.net Newsletter – maximal einmal pro Woche in Deinem Postfach ūüôā
Mehr Infos…

Die Anmeldung kann nur mit der Zustimmung zur Datenschutzerklärung vorgenommen werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

7 Gedanken zu “Rennradfahrende Frauen: 5 Herausforderungen, die M√§nner (meistens) nicht kennen”